Ludwig-Donau-Main-Kanal - eine technische Meisterleistung der Ingenieurbaukunst
Am Anfang stand die Idee, die europäische Hauptwasserscheide zu überwinden und eine schiffbare Verbindung zwischen Schwarzem Meer und Nordsee herzustellen. Nach vorherrschender Meinung unternahm Karl der Große im Jahre 793 mit dem Bau der „Fossa Carolina“ – auch Karlsgraben genannt – einen ersten Versuch, Rhein und Donau zu verbinden. Aber dieser scheiterte – vermutlich aufgrund ungünstiger Boden- und Witterungsverhältnisse und eines hohen Unterhaltungsaufwandes, den der Kanal erforderte.
Mehr als tausend Jahre später gelang es schließlich im 19. Jahrhundert Ludwig I., König von Bayern, mit dem 173 km langen Ludwig-Donau-Main-Kanal, der auch König-Ludwig-Kanal oder Alter Kanal genannt wird, eine schiffbare Verbindung zwischen den beiden europäischen Flusssystemen herzustellen.
Wichtige Daten zum Kanal:
- Bauzeit: 1836-1845
- Eröffnung: 1846
- Länge: 173 km
- Kanalbreite: 15,8 m
- Kanaltiefe: 1,46 m
- Anzahl der Schleusen: 100
- Schleusenlänge: 34,15 m
- Schleusenbreite: 4,67 m
- Hubhöhe: zwischen 2,3 und 3,2 m
An dem Bauprojekt, geplant von Heinrich Freiherr von Pechstein, waren anfänglich 3000 und später zeitweise bis zu 9000 Arbeiter beschäftigt. Die Kosten beliefen sich auf rund 17,5 Millionen Gulden.
Insgesamt wurden beim Bau des Ludwig- Donau- Main- Kanals 100 Schleusen errichtet. Im Bereich der 24 km langen Scheitelhaltung auf Höhe der Stadt Neumarkt i. d. Opf. überquerte der Kanal die Europäische Wasserscheide.

Verlauf des Ludwig-Donau-Main-Kanals
Für die Strecke von Kelheim nach Bamberg benötigte man etwa fünf Tage. Dabei wurden die Kanalschiffe von Pferden gezogen, was auch als „Treideln“ bezeichnet wird. Um die Jahrhundertwende setzte sich der Antrieb mit Dampfmaschine und Propeller durch.

Treideln
Die Kähne des Kanals konnten bis zu 120 Tonnen Fracht befördern (zum Vergleich: Die Schiffe auf dem heutigen Main-Donau-Kanal gehören der 1200-Tonnen-Klasse an). Die wichtigsten Handelsgüter waren Holz, Stein, Kohle und Agrarprodukte. Der Schiffsverkehr erlangte jedoch nur für kurze Zeit eine nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung und schrieb blad rote Zahlen. Vor allem, weil die Baukosten erheblich überschritten wurden und der Kanal für die breiten Main- und Donauschiffe zu schmal und damit nicht befahrbar war. Zudem entwickelte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Eisenbahn ein neues, modernes Verkehrmittel.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Ludwig-Donau-Main-Kanal als Frachtweg bedeutungslos. Im zweiten Weltkrieg erlitt der Kanal schwere Beschädigungen und wurde 1950 als Wasserstraße offiziell stillgelegt. Ab 1980 fielen Abschnitte des Alten Kanals zwischen Kelheim und Berching dem Bau des Main-Donau-Kanals zum Opfer. Heute ist der Kanal als fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft das Zeugnis einer technischen Meisterleistung der Ingenieurbaukunst und als Stillgewässer und Biotop von großer Bedeutung für die Vernetzung von Lebensräumen. Die verbliebenen Reste des Kanals und seiner Bauwerke sind inzwischen denkmalgeschützt und werden durch die jeweils zuständigen Wasserwirtschaftsämter unterhalten.
Von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes Landshut werden im Landkreis Kelheim von den ehemals insgesamt 100 Schleusen unter anderem die Schleuse 1 mit dem Alten Kanalhafen, die Schleuse 4 mit Resten des Ludwig-Donau-Main-Kanals, das Altmühlwehr Prunn, sowie die Schleusen 10 und 11 unterhalten.
Noch heute zeugen Schleusen mit den Schleusenwärterhäusern, die der Architekt Leo von Klenze entworfen hat, und einzelne Gewässerabschnitte mit Wehranlagen von dem kulturhistorischen Bauwerk.

