Hochwasserschutz für Bayern - Aktionsprogramm 2020
Das Naturereignis Hochwasser lässt sich nicht verhindern. Doch wir können vermeiden, dass es zur Katastrophe wird. Im Hochwasserschutz geht es in erster Linie darum, den Schaden zu begrenzen, eine Zunahme des Schadenspotenzials in gefährdeten Bereichen zu vermeiden und ein angemessenes Gefahrenbewusstsein zu entwickeln. Diese Zielsetzung erfordert eine ganzheitliche Strategie: isolierte Schutzkonzepte reichen nicht aus, weil sie vielfach nur das Problem flussabwärts verlagern.
Deshalb funktioniert moderner Hochwasserschutz nur in der Kombination von drei Handlungsfeldern:
- Natürlichen Rückhalt erhalten, verbessern und wiederherstellen
- Technische Hochwasserschutzmaßnahmen schützen bestehende Siedlungen und Verkehrswege
- Hochwasservorsorge durch Freihalten von Überschwemmungsgebieten, Warnung und Schadensvorsorge
Bayern hat mit diesem kombinierten Hochwasserschutz seit Jahren gute Erfahrungen gemacht. Nach dem Pfingsthochwasser 1999 war jedoch klar, dass schneller und in größerem Umfang gehandelt werden musste.
Im Mai 2001 beschloss die Bayerische Staatsregierung daher das Aktionsprogramm 2020 für Donau- und Maingebiet.
In einem integrierten Aktionsprogramm für die beiden Flussgebiete Main und Donau werden alle wasserbaulichen Maßnahmen zusammengefasst, überprüft und in Jahresprogramme gegliedert. Damit soll sichergestellt werden, dass alle Schritte der Hochwasserschutzstrategie berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden. Die Intensivierung des natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche, die technischen Hochwasserschutzbauten und die Maßnahmen der Hochwasservorsorge sollen ineinander greifen und den Schutz der gefährdeten Gebiete gewährleisten.
Bis zum Jahr 2020 will der Freistaat mit diesem Programm 2,3 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investieren.
Handlungsfelder des Aktionsprogramms 2020 mit AkteurenNatürlicher Rückhalt
Hochwasser entsteht im Hinterland. Wirksamer Hochwasserschutz muss daher in der Fläche ansetzen. Die Wasserrückhaltung in der Fläche - also im gesamten Einzugsgebiet, in den Auen und in den Gewässern selbst - bringt entscheidende Vorteile:
- Das Hochwasser fließt gleichmäßiger ab. Gefährliche Hochwasserspitzen werden gedämpft.
- Kritische Wasserstände treten seltener auf.
- Durch die Vernetzung von Fluss und Aue wird das Gewässerökosystem aufgewertet.
- Die biologische Vielfalt nimmt zu.
- Durch die in den eingestauten Bereichen mögliche Versickerung wird die Grundwasserneubildung gefördert. Wasser versickert dort, wo es anfällt.
Kernstück der bayerischen Hochwasserschutzstrategie bilden daher naturnahe Flusslandschaften, Flutmulden und Auen, in denen dem Hochwasser natürliche Ausdehnungs- und Rückhaltemöglichkeiten geboten werden. Hierzu müssen Deiche zurückverlegt, Fluss und Aue stärker vernetzt und Auwälder häufiger überflutet werden. Für alle größeren bayerischen Gewässer werden bis 2008 Gewässerentwicklungspläne erstellt, in denen insbesondere die natürlichen Rückhalteräume dargestellt sind.
Bis 2020 werden 2.500 km Gewässerstrecke und 10.000 ha Uferfläche renaturiert. Dazu müssen mit den Grundstückseigentümern und den Bewirtschaftern auf freiwilliger Basis Vereinbarungen abgeschlossen werden. Das 1995 vom Bayerischen Landtag beschlossene Programm für die Auensanierung wird im Auenprogramm Bayern fortgeführt. Gemeinsam mit der Staatsforstverwaltung wird das bereits seit mehr als 15 Jahren erfolgreich laufende Schutzwaldsanierungsprogramm auch zukünftig weiterverfolgt
Technischer Hochwasserschutz
Eine möglichst hohe Wasserrückhaltung in der Fläche leistet einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Sie allein ist aber meist nicht ausreichend, um auf den technischen Hochwasserschutz verzichten zu können. Technische Hochwasserschutzanlagen verhindern bis zu einem festgelegten Bemessungshochwasser - in Bayern in der Regel einem hundertjährlichen Ereignis - das Ausufern des Gewässers und schützen so Bebauung und hochwertige Infrastruktur vor Überflutung. Dazu müssen auch zukünftig Anlagen wie Deiche, Mauern, Flutmulden, Rückhaltebecken und Talsperren gebaut werden. Ein Restrisiko bleibt jedoch immer erhalten.
Schwerpunkte der Maßnahmen sind:
- der Schutz von Siedlungsgebieten, bei denen bisher aufgrund besonderer städtebaulicher oder denkmalpflegerischer Anforderungen oder technischer Probleme der Hochwasserschutz nicht ausführbar bzw. aufgrund hoher Kosten nicht finanzierbar war,
- die Nachrüstung bestehender Deiche, wenn sie die Anforderungen der Regeln der Technik nicht erfüllen. Bis zum Jahr 2008 sollen alle Deiche mit sofortigem Sanierungsbedarf auf einen ausreichenden Stand gebracht werden. Hierfür müssen noch für etwa 200 km Deiche über 100 Mio. € investiert werden. (Etwa 100 km Deiche wurden seit dem Pfingsthochwasser 1999 bereits nachgerüstet.),
- der Bau der Speicher Furth im Wald und Goldbergsee bei Coburg. In bestimmten Gebieten schützen große Hochwasserspeicher vor Katastrophen. Der Sylvensteinspeicher hat bereits beim Pfingsthochwasser 1999 und beim Hochwasser im August 2005 die Landeshauptstadt München vor einer Überschwemmung bewahrt.
- der Bau von Rückhaltebecken für den örtlichen Hochwasserschutz an kleineren Gewässern mit einem Gesamtvolumen von 8 Mio. Kubikmeter,
- die Einrichtung gesteuerter Polderräume mit 30 Mio. Kubikmeter Rückhalteraum. Diese Polder werden ab einem bestimmten Abfluss geflutet und können damit den Wasserstand im Gewässer spürbar verringern,
- verstärkter Hochwasserschutz an Wildbächen.
Weitergehende Hochwasservorsorge
Mit der weitergehenden Hochwasservorsorge können Hochwasserschäden begrenzt oder ganz vermieden und das unvermeidliche Restrisiko verringert werden. Instrumente hierfür sind die Flächen-, Bau-, Verhaltens- und Risikovorsorge.
Flächenvorsorge
Die Vermeidung von Bebauung gefährdeter Bereiche ist die wirksamste Maßnahme zur Begrenzung von Hochwasserschäden. Nimmt in hochwassergefährdeten Bereichen die Bebauung stetig zu, so wird auch das Schadenspotenzial wachsen - trotz einer Anpassung der Bebauung an die Gefährdung. Eine wirkungsvolle Flächenvorsorge setzt voraus, dass Überschwemmungsgebiete ausgewiesen werden, an denen sich die Bauleitplanung orientieren muss. Bis 2008 werden die Überschwemmungsgebiete an allen größeren Gewässern ermittelt und festgesetzt. Über die Überschwemmungsgebiete hinaus werden in den Regionalplänen Vorrangflächen für den Hochwasserschutz ausgewiesen.
Bauvorsorge
Durch an die Gefährdungssituation angepasste Bauweisen und bauliche Schutzvorkehrungen können Schäden infolge Hochwasser deutlich verringert werden. Hierbei sind Kommunen, Architekten, Ingenieure und Bauherren gefordert. Zum Beispiel kann durch Verzicht auf empfindliche Nutzung von Räumen unterhalb der Überschwemmungshöhe, Verwendung von Sperrbeton oder die hochwassersichere Ausstattung der Ölheizung das Schadensausmaß entscheidend verringert werden. Für die Heizöllagerung in Überschwemmungsgebieten wurden am 1. Januar 2001 die Bestimmungen verschärft.
Verhaltensvorsorge
Die Vorbereitung muss lange vor dem Ereignis beginnen. Verhaltensvorsorge bedeutet, die Zeit zwischen der Entstehung des Hochwassers und dem Eintritt kritischer Hochwasserstände zur Schadensminderung zu nutzen. Rechtzeitige und zuverlässige Hochwasserwarnungen sind Voraussetzung für effektive Notmaßnahmen. Schnellere und genauere Vorhersagen sollen durch den Einsatz modernster Geräte- und Kommunikationstechnik möglich werden. Hierfür sind Investitionen von 9 Mio. € vorgesehen.
Zwischenzeitlich wurden
- zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst ein automatisches Niederschlagsmessnetz mit 320 Messstationen aufgebaut,
- das Pegelnetz an den bayerischen Gewässern optimiert und
- Hochwasservorhersagemodelle, wie sie z. B. am Sylvensteinspeicher schon erfolgreich eingesetzt werden, für weitere Flussgebiete entwickelt.
Risikovorsorge
Ein absoluter Schutz vor Hochwasserkatastrophen ist nicht möglich. Ziel der Risikovorsorge ist es, das Schadensausmaß und die Schadenslast bei sehr seltenen Ereignissen zu begrenzen. Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz können oft das Schlimmste verhindern. Dennoch: Ein nicht unerhebliches Restrisiko bleibt. Jeder Einzelne muss in überschwemmungsgefährdeten Gebieten Risikovorsorge, z.B. in Form von Rücklagen oder einer Elementarschadenversicherung, treffen.
Jeder ist gefordert
Um alle drei Wege der bayerischen Hochwasserschutzstrategie gleichermaßen zu verfolgen, müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten. Unterschiedliche Interessen müssen aufeinander abgestimmt und Kompromisse gefunden werden. Nur gemeinsames Handeln führt zum Erfolg:
| Beteiligte | Aktionen |
|---|---|
| Städte und Gemeinden | planen und verwirklichen Hochwasserschutzkonzepte, berücksichtigen den Hochwasserschutz in der kommunalen Bauleitplanung (Freihalten von Überschwemmungsgebieten) und sorgen mit den Feuerwehren für die Gefahrenabwehr |
| Landratsämter | weisen auf Vorschlag der Wasserwirtschaftsämter Überschwemmungsgebiete aus und genehmigen die Durchführung von Schutzmaßnahmen |
| Land- und Forstwirtschaft | fördert durch eine angepasste Boden- und Waldbewirtschaftung den Wasserrückhalt in der Fläche |
| Naturschutz | unterstützt die Wasserwirtschaft bei der Entwicklung intakter Flussauen |
| Regionalplanung | weist Vorranggebiete für den Hochwasserschutz aus |
| Wasserwirtschaftsverwaltung | plant und verwirklicht Hochwasserschutzkonzepte an den größeren Gewässern, berät und fördert die Kommunen und Gemeinden, erstellt Hochwasservorhersagen und gibt Hochwassermeldungen heraus |
| Bürgerinnen und Bürger | informieren sich über mögliche Hochwassergefahren und sorgen rechtzeitig vor |
Vom bayernweiten Programm bis zur örtlichen Maßnahme
Das Aktionsprogramm 2020 gibt fachliche Ziele für ganz Bayern vor, die in Hochwasseraktionsplänen und Hochwasserschutzkonzepten schrittweise konkretisiert werden. Das Ergebnis dieser Planungsstufen sind einzelne Maßnahmen für den örtlichen und überörtlichen Hochwasserschutz.
| Gebiet | Programm |
|---|---|
| Bayern | Aktionsprogramm 2020 für Donau- und Maingebiet |
| Flussgebiet | Hochwasseraktionspläne z. B. Main |
| Teilflussgebiet | Hochwasserschutzkonzepte z. B. Fränkische Saale |
| Stadt, Gemeinde, Region | Örtliche und überörtliche Schutzmaßnahmen |
Weiterführende Informationen
Links zu anderen Angeboten
- [EXT] Regierungen von UFr, MFr, OFr: Hochwasseraktionsplan Main
- [EXT] Bayer. Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit: Hochwasserschutz in Bayern - Aktionsprogramm 2020
- [EXT] Bayer. Staatsregierung: Voraus denken - elementar versichern - Wohneigentum und Hausrat gegen Schäden aus Naturgefahren versichern
Dokumente zum Download/Bestellen



