Die Köcherfliegen besitzen eine merolimnische Lebensweise, worunter man den Wechsel von aquatischen Larvenstadien zu terrestrischen Imaginalstadien versteht. Die Köcherfliegen sind holometabol, d.h. es ist ein echtes maximal 3 Wochen dauerndes Ruhestadium als Puppe zwischen den beiden Lebensformen der Larve und des erwachsenen Tieres eingeschaltet.
Die Köcherfliegen sind nach den Dipteren (Zweiflüglern) die artenreichste aquatische Insektenordnung. In Deutschland sind ca. 300 Arten bekannt; davon bewohnen ca. 25% stehende und langsam fließende Gewässer, der Rest besiedelt ausschließlich stärker strömende Fließgewässer.
Bei den Köcherfliegen unterscheidet man zwei Hauptgruppen. Auf der einen Seite stehen die Köcherfliegen, die einen Köcher bauen, den sie ständig mit sich herumtragen und nie freiwillig verlassen. Weiterhin wird diese Gruppe durch ihre vegetarische Ernährungsweise (Algen, Detritus und frische oder faulende Teile höherer Pflanzen) gekennzeichnet. Außerdem werden diese Köcherfliegen als "raupenförmig" bezeichnet, wobei die Längsachse des Kopfes mit der Körperachse einen rechten Winkel bildet (eruciforme Köcherfliegenlarven).
Auf der anderen Seite steht die Gruppe der köcherlosen bzw. gespinst- oder röhrenbauenden Köcherfliegen. Nur wenige Arten dieser Gruppe bauen einen Köcher, und das auch nur im letzten Stadium ihrer Larvenentwicklung. Viele Arten innerhalb dieser Gruppe sind Raubtiere, die frei herumstreifen und sich von kleinen Wassertieren ernähren. Das Hauptmerkmal für diese Gruppe ist aber das Verhältnis von der Längsachse des Kopfes zu der Körperlängsachse, das man als Gerade bezeichnen kann (campodeide Köcherfliegenlarven).
Gruppe der Köcherfliegen(larven)
| Köcherfliegen(larven) |
Hydroptila sp.
(Etui Köcherfliege)
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- Kleine campodeide Larven, die nur im letzten Larvenstadium einen Köcher bauen. Erst in diesem Stadium kann man die Arten der Gattung Hydroptila bestimmen.
- Der Köcher hat die Form eines Brillenetuis und wird von der Larve hochkant getragen.
- Der Hinterleib der gelblich gefärbten Köcherfliege ist seitlich stark zusammen gedrückt. Die Oberseiten der Brustsegmente sind alle verhornt und sind an einer bräunlichen Färbung gut zu erkennen.
- Die Larven dieser Gattung findet man in stehenden und fließenden Gewässern. Von April bis August sieht man dann die erwachsenen Köcherliegen, Flügelspannweite unter 10mm, fliegen.
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| Ithytrichia lamellaris
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- Diese Köcherfliegenart gehört wie auch Hydroptila zu der Familie der Hydroptilidae.
- Man findet diese Art oft in kleinen pflanzenreichen Bächen, in strömungsberuhigten Zonen kleinerer Flüsse oder in pflanzenreichen Teichen.
- Laut Literaturangabe (TOBIAS & TOBIAS) haben die erwachsenen Tiere eine sehr kurze Flugzeit. Deshalb kann man die Imagos nur im Juni fliegen sehen.
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| Silo nigricornis
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- Silo nigricornis gehört zur Familie der Goeridae. Deutlichstes Erkennungsmerkmal diese Familie im Freien sind die auffälligen Köcher. Dabei wird die Wohnröhre, bestehend aus Sand, mit ± großen Flügelsteinen an der Seite beschwert.
- Diese Art ist weitverbreitet und man findet diese Tiere auf Steinen und Holz in fließenden Gewässern. Dort sind ihre Köcher fest an der Unterlage befestigt, um so der Strömung zu wiederstehen.
- Diese Tiere besitzen sie eine geringe Toleranz gegenüber Verschmutzungen, so dass man sie in die Güteklasse I-II (gering belastet) eingestuft hat.
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| Limnephilidae
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- Die Limnephilidae sind die bei uns am weitesten verbreitete Köcherfliegenfamilie. Mit über 110 Arten stellt diese Familie ca. 1/3 der in Deutschland beheimateten Tiere.
- Als gemeinsames Kennzeichen sind bei allen Larven die Vorder- und Mittelbrustoberseiten verhornten , sowie 6 Hornplatten auf der Hinterbrustoberseite zu finden.
- Je nach Substratangebot werden die Köcher aus Kies, Steinen, Pflanzensamen und -stengeln, sowie Blättern gemacht. Selbst Gehäuse lebendiger Schnecken kann die Limnephilidaelarve verwerten.
- Videos:
In den Videos 1 bis 3 sieht man Limnephilus extricatus (Indikator für Güteklasse II - mäßig belastet).
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Anabolia nervosa
(Pilzkopf Köcherjungfer)
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- Diese eruciforme Larve der Familie Limnephilidae gehört zu den auffälligsten Köcherfliegen. Ihre Köcher bestehen aus einer Sandröhre, an der lange, oft überstehende Pflanzenstengel oder Äste angesponnen sind.
- Auch die Kopfzeichnung, gelber Grund mit typischer, schwarzer, pilzhutförmiger Zeichnung, davor jederseits ein schwarzer, komaförmiger Fleck, ist charakteristisch für diese Art.
- Man findet diese Larven vor allem in Wurzeln und Blattwerk von langsamfließenden Gewässern mit Sandgrund. Auch in Seen und Teichen ist diese Art beheimatet, aber nie so häufig wie in Fließgewässern.
- Die Larven fressen hauptsächlich verrottende Pflanzen und Detritus. Verschmutzungen können diese Tiere bis zu einem gewissen Grade vertragen. Deshalb steht das Tiere für mäßig belastete Gewässer (Güteklasse II).
- Videos:
Im Video 1 sieht man einen typischen Köcher dieser Art (siehe Beschreibung oben).
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| Drusus biguttatus
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- Diese Köcherfliegenart gehört zu den Quell- und Gebirgsbachbewohnern. Aufgrund seiner geringen Toleranz gegenüber organischer Verschmutzung gilt sie als Indikator für die Güteklasse I (unbelastet bis gering belastet).
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Hydropsyche sp.
(Wassergeistchen)
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- Die Wassergeistchen sind eine weitverbreitete Köcherfliegengattung, und gehören taxonomisch zur Familie der Hydropsychidae. Man findet die Arten dieser Gattung in allen Fließgewässern, vom Bergbach bis hin zum Fluss.
- Diese campodeide Köcherfliegenlarven bauen unregelmäßige, röhrenförmige Wohngespinste auf und spinnen vor deren Öffnung ein sehr gleichmäßige Fangnetze mit etwa 10mm Durchmesser. Diese Fangnetze werden zwischen Steinen oder über eine Höhlung aufgespannt. Als Nahrung dient den Tieren nun alles was in den Fangnetzen hängen bleibt.
- Deutliches Erkennungsmerkmal der Wassergeistchen sind die auf der Bauchseite des Hinterleibs hängenden Kiemenbüschel. Außerdem besitzen die Larven lange Nachschieber mit auffallenden Borstenfächern an der Basis. Die Larven sind meist hellbraun bis gelblich gefärbt. Der Kopf ist meistens dunkel gefärbt und mit hellen Flecken gezeichnet.
Die Größe der Larven beträgt je nach Art bis zu 2cm.
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| Hydropsyche contubernalis
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- Dieser Vertreter der Gattung Hydropsyche besitzt zusammen mit der Art "Hydropsyche angustipennis" die höchste Toleranz gegenüber organischer Verschmutzung. Im Saprobiensystem wurden beide Arten in die Güteklasse II-III (kritisch belastet) eingestuft.
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| Cheumatopsyche lepida
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- Diese Art gehört auch zur Familie der Hydropsychidae. Deutliches Erkennungsmerkmal im Vergleich zu den anderen Hhydropsychidaearten ist die lange, filzige Behaarung der Kopfoberseite und des Pronotumrückens (erstes Brustsegment).
- Man findet diese Art oft in Bächen und Flüssen mit starker Strömung und Turbulenz. Ein geröllhaltiges Gewässerbett wird von den Larven bevorzugt.
- Die erwachsenen Tiere kann man dann zwischen Juni und September fliegen sehen.
- Gegenüber organischer Verschmutzung ist diese Art empfindlicher als zum Beispiel Hydropsyche contubernalis. Deshalb ist diese Art in die Güteklasse II (mäßig belastet) eingestuft.
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| Odontocerum albicorne
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- Einzigste mitteleuropäische Art der Familie Odontoceridae. Der Köcher der eruciformen Larve ist sanft gebogen, aus gröberen Sandkörner gebaut und nach hinten nur wenig verjüngt. Das Hinterende des Köchers ist durch eine braune Membran verschlossen, auf der meist ein kleiner Stein geklebt ist.
- Die bis zu 18mm großen Larven leben auf Steinen in schnellfließenden Bächen und Flüssen. Sie benötigen kaltes Wasser, weshalb man die Tiere in den Sommermonaten oft nur in beschatteten Gewässerabschnitten findet.
- Die nachaktiven Larven leben hauptsächlich von Aas. Außerdem besitzen sie eine geringe Toleranz gegenüber Verschmutzungen, so dass man die Tiere der Güteklasse I-II (gering belastet) zugeordnet hat.
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| Beraeodes minutus
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- Man findet diese Köcherfliegenart in Wiesengräben und kleinen Bächen mit reichem Pflanzenbestand.
- Verschmutzungen können diese Tiere bis zu einem gewissen Grade vertragen. Deshalb stehen diese Tiere für mäßig belastete Gewässer (Güteklasse II).
- Videos:
In den Videos 1 und 2 sieht man einen typischen Köcher dieser Art.
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| Ceraclea sp.
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- Die Tiere der Gattung Ceraclea findet man meistens im Flachland oder Mittelgebirge, wo sie langsam fließende Flüsse und Bäche, Altwässer und Seen besiedeln.
- Als Indikatororganismus steht diese Köcherfliegen für ein mäßig belastetes Gewässer (Güteklasse II).
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