Pressemitteilung
29.11.2010
Befreiung der Donau aus ihrem Steinkorsett,
Gewinn für Natur und Menschen
Im Bereich Neustadt wurde in den letzten Wochen ein Teil der Uferversteinung vom Wasserwirtschaftsamt Landshut zurückgebaut.
Ausgeführt wurde die aktuelle Maßnahme dann von der Flussmeisterstelle Neustadt. Sie reicht so Uli Menacher, Leiter der Flussmeisterstelle, vom Rückbau der Uferversteinung über die Schaffung von Flachwasserzonen bis hin zur Anlage von Buhnen, Inseln, Steilufern und dem Einbringen von Totholz. Dabei entstehen neue Lebensräume für Fische wie zum Beispiel unterschiedliche Strömungsabschnitte und Wassertiefen, sowie Stillwasserzonen (Buchten), Kehrwasserbereiche, Unterstände durch Totholzeinbau und überhängendes Wurzelwerk. Gleichartige Maßnahmen führte die Flussmeisterstelle bereits im letzten Winter entlang des linken Donauufers auf der Höhe von Hienheim aus.
Mit diesen Maßnahmen wird die Strukturvielfalt der Donau durch Prozesse wie Uferanbrüche und Kies- bzw. Sohlsubstratverlagerungen verbessert. Dies eröffnet für Flora und Fauna in und am Gewässer große Entwicklungsmöglichkeiten. Den ortsansässigen Fischereiverein - die Neustädter Fischerfreunde - hat dies in diesem Jahr veranlasst, sich an den Umgestaltungskosten zu beteiligen.
Die Arbeiten der Flussmeisterstelle sind laut Karl Stahl, dem zuständigen Sachgebietsleiter im Wasserwirtschaftsamt, ein weiterer Baustein im bereits seit Mitte der 90-er Jahre laufenden Bemühen des Wasserwirtschaftsamtes Landshut, schrittweise durch Uferrenaturierung, d. h. durch Rückbau der Uferversteinungen, gewässermorphologische Verbesserungen zu erreichen.
Mit einer weiteren Maßnahme auf Höhe der Flussmeisterstelle Neustadt hat das Wasserwirtschaftsamt Landshut in Zusammenarbeit mit der Stadt Neustadt ein Flachufer angelegt. Hier werden in den nächsten Wochen noch Sitzsteine ergänzt. Damit ist für die Bürger, die Möglichkeit geschaffen, die Donau intensiver „hautnah“ zu erleben.
Sämtliche „Uferaktivitäten“ des Wasserwirtschaftsamtes sind mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Kelheim und dem Fischereiverein Neustadt abgestimmt. Die Maßnahmen stehen auch in Einklang mit den aufgrund der Wasserrahmenrichtlinie erstellten Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen, die insbesondere eine Verbesserung der Gewässerstrukturen vorsehen.
Hintergrundinformationen
Früher:
- Das Bestreben der Donau nutzbares Ackerland und Siedlungsflächen abzuringen, d.h. der Kampf Mensch gegen Natur, begann im Neustädter Raum laut Aufzeichnungen vor über 400 Jahren. In der Mitte des 19. Jahrhunderts (um 1830) wurde die mäandrierende Donau im Gebiet der Stadt Neustadt reguliert und begradigt.
- Durch die Begradigung erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit was wiederum zu starken Erosionen an den Uferböschungen und der Flusssohle (Eintiefungen) führte. Seither versuchte man das vorgegebene Korsett mittels Uferversteinungen, Flussschlauchaufweitungen und Leitwerken (Buhnen) zu erhalten und zu sichern. Zuletzt wurden die Uferversteinungen in den 70-er Jahren ergänzt und verstärkt.
Heute:
- Zur Erreichung der ehemals vorhandenen biologischen Vielfalt (Biodiversität) ist es erforderlich, die Flussstruktur (Gewässermorphologie) zu verbessern; nur so kann ein vielseitiger Lebensraum für alle Tiere und Pflanzen im und am Wasser geschaffen werden. Die Ziele der Wasserwirtschaft stehen hier im Einklang mit den Wünschen des Naturschutzes und der Fischerei.
- Im Zuge der Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) ist es Aufgabe des zur Gewässerunterhaltung verpflichteten, hier der Freistaat Bayern (Gewässer 1. + 2. Ordnung), den guten Zustand/das gute ökologische Potential des Gewässers zu erreichen und die hierzu nötigen Maßnahmen entsprechend den finanziellen Möglichkeiten Schritt für Schritt umzusetzen.

Rückbau der Uferversteinung, Anlage von Steinbuhnen und -inseln

Anlage eines Seitenarmes mit Buhne am Einlauf

Schaffung von Flachwasserzonen

