Pressemitteilung
25.06.2007
Vilstalradweg - sieh, das Gute liegt so nah
Landrat, Bürgermeister und über 50 Bürger gingen auf Entdeckungsreise in der Heimat
Warum freifließende Abschnitte der Vils für den Eisvogel, aber auch für den Menschen so wichtig sind, was der Mensch der Vils alles verdankt, wie diese Landschaft entstanden ist und was für ausgeklügelte Strategien Schmetterlings- oder Fischarten entwickelt haben, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern: Davon und von vielen anderen kleinen und größeren Wundern der Heimat haben die Teilnehmer an einer geführten Radwanderfahrt von Vilsbiburg bis Schalkham erfahren, zu der Landrat Josef Eppeneder und mehrere Bürgermeister eingeladen hatten.
Ein gutes Jahr haben die Diplomingenieure Berthold Riedel und Ralf Theurer an der neuen Broschüre „Vilstalradweg: Vilsbiburg bis zum Visltalsee“ gearbeitet, unterstützt von Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamts (WWA) Landshut und der Landratsämter Landshut und Dingolfing-Landau. Herausgekommen ist eine 50-seitige Broschüre, prallvoll mit Fotos, Informationen, Karten und Grafiken rund um „Wasser, Kultur und Landschaft“ des Vilstals.
„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ – diese berühmten Sätze Goethes bilden gewissermaßen auch das Leitmotiv, nach dem die touristische Arbeitsgemeinschaft (Arge) „Natur- und Erholungsregion Vilstal“ handelt, betonte Landrat Josef Eppeneder. Zu dieser Arge haben sich die Landkreise Landshut und Dingolfing-Landau, die Gemeinden Vilsbiburg, Schalkham, Gerzen, Aham, Frontenhausen und Marklkofen sowie das WWA Landshut zusammengeschlossen; gemeinsam hat man auch die Broschüre finanziert.
Er hoffe, dass viele Einheimische, aber auch Gäste die Broschüre als Leitfaden zur Hand nehmen und sich aufmachen zu einer Entdeckungsreise zu den Schönheiten, den Kultur- und Naturschätzen der Heimat, sagte der Landrat, der sich über die große Resonanz freute: Neben rund 50 interessierten Bürgern hieß er auch eine Reihe von Kommunalpolitikern willkommen, darunter die Bürgermeister Helmut Haider (Vilsbiburg) und Elisabeth Kobold (Aham), die 2. Bürgermeister Rudolf Lehner (Vilsbiburg) und Jakob Oßner (Velden) und die Kreisrätin Elisabeth Fuchshuber.
Ins selbe Horn stießen der WWA-Leiter Johannes Schmuker und Bürgermeister Haider: Man wolle den Menschen die Augen öffnen für die Schönheiten der Region. Er hoffe, dass solche Aktionen auch auf so manche Grundeigentümer Eindruck machten, stellte Bürgermeister Haider mit Blick auf die Tatsache fest, dass zwischen Vilssöhl und Frauenhaarbach ein Stück des Vilstalradwegs wegen immer wieder gescheiterter Grundstücksverhandlungen nicht durchgängig befahrbar – und dadurch überregional deutlich entwertet ist.
Dipl.-Ing. Bethold Riedel, Hauptautor der Broschüre (zusammen mit Ralf Theurer), legte dar, dass in dem Radwegführer Freizeit-Tipps eng verknüpft sind mit Fachinformationen über klassische Arbeitsgebiete der Wasserwirtschaft. Wie das konkret aussieht, erfuhren die Teilnehmer der Radtour an zahlreichen Haltestationen: Riedel und Sachgebietsleiter Hubert Schacht vom WWA fesselten ihre Zuhörer mit lebendigen Schilderungen – einerlei, um welche Themen es ging, von der Fließdynamik der Vils bis hin zu Überlebensstrategien von Fisch- oder Insekten-Arten.
An der Kindlmühle, die 1933 zu einem großen Sägewerk erweitert wurde und in der ein Müllermeister noch bis 1997 Mehl gemahlen hat, schilderte Riedel, wie der Mensch im Mittelalter das ganze Vilstal umgestaltet hat, um das Wasser des Flusses und seiner vielen Nebenbäche auf die Räder von vielen Dutzenden von Mühlen zu lenken. Die Vils trieb Kornmühlen an, aber auch Hammerwerke, Sägewerke oder Walkmühlen, in denen Leder und Stoffe behandelt wurden. Auch heute sind noch viele Mühlen an der Vils in Betrieb und wandeln einen kleinen Teil der Kraft des Flusses in eine andere Energieform um: elektrischen Strom.
Unbändige Energie hat das Vilstal einst geschaffen, vor 30.000 bis 40.000 Jahren: Gewaltige Schmelzwasserströme ergossen sich damals von Süden her in Richtung Niederbayern. Sie wurden gespeist aus den mächtigen Gletschern der Alpen, die am Höhepunkt der Eiszeiten Südbayern bis auf die Höhe von München bedeckten, das Land aber am Ende aufgrund eines globalen Klimawandels freigeben mussten. Geröll, Kies, Lehm und Sand, die dabei mitgeschwemmt wurden, sind heute die Grundlage für die vielen Kiesgruben im Vilstal, erzählte Hubert Schacht an einem weiteren Haltepunkt, der Kiesgrube bei Lichtenburg.
Natürlich wurde wiederholt auch unmittelbar an, oder genauer: über der Vils, nämlich auf Brücken Halt gemacht. „Was macht es schon, wenn das Wasser ein wenig braun ist?“ werde sich mancher fragen, erklärte Schacht: Aber die Versorgung mit sauberem Wasser sei für den Menschen eine Überlebensfrage – und auch für die Fische im Fluss: Viele typische Vils-Fische brauchen klares Wasser und einen kiesigen Grund zum Laichen und damit zum Fortbestand ihrer Art.
„Heute empfinden viele Menschen Baden in einem Fluss – für unsere Großeltern noch eine normale Sache – als Inbegriff für intakte Natur“, schilderte Riedel. Gerade an der kleinen und großen Vils und überhaupt am Vils-Oberlauf gibt es nach seinen Worten noch viele intakte Natur- und Flussbereiche: Strecken, auf denen die Vils ihre Kraft noch entfalten kann, an denen sie nicht in ein enges Ufer-Korsett eingeschnürt ist, sondern mäandern, also Fluss-Schlingen bilden kann.
Und wo sie noch natürliche Ufer bildet: Plätze, an denen der Eisvogel seine Erdhöhlen in steile Prall-Ufer graben kann. An naturnahen Ufern mit dichten Erlenwurzeln beißt sich übrigens auch ein erfolgreicher Einwanderer, der Bisam, die Zähne aus, der sonst Ufer, Dämme und anderes Menschenwerk erfolgreich unterminiert.
Ein tschechischer Adliger hatte fünf Bisame aus Alaska mitgebracht und 1905 bei Prag ausgesetzt. Die fremde Tierart eroberte rasch Europa. Ebenso wie das Indische Springkraut: 1839 aus der Himalaja-Region nach England gebracht, breitete sich die rot blühende Zierpflanze alsbald über den Kontinent aus. Heute gedeiht sie längst auch an der Vils bei Solling und verdrängt dort heimische Pflanzen, die viel besser für den Fluss sorgen und mit ihm harmonieren würden: Im Gegensatz zum Indischen Springkraut geben die heimischen Gewächse natürlichen Ufern Festigkeit.
Ohne Kenntnis von und ohne Rücksicht auf Zusammenhänge in der Natur richtet der Mensch somit so manchen Blödsinn an. Grund genug, meinen Riedel und Schacht, möglichst vielen Leuten die Augen für so viele Dinge vor der Haustür zu öffnen – am besten in eingängiger und unterhaltsamer Weise.
Also so, wie es einem beim Lesen der Broschüre geht und beim Radeln durchs Vilstal auf den Wegen, die dieser Radwegbegleiter weist. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich bei den Landratsämtern Landshut und Dingolfing-Landau, den beteiligten Gemeinden: Vilsbiburg, Gerzen, Aham, Schalkham, Frontenhausen und Marklkofen sowie beim Wasserwirtschaftsamt Landshut.

Landrat Josef Eppeneder konnte zahlreiche Bürger sowie Kommunalpolitiker zu der geführten Radwanderfahrt auf dem Vilstalradweg willkommen heißen. Das Bild zeigt ihn bei der Begrüßung zusammen mit den Hauptautoren der neuen Vilstalradweg-Broschüre, Berthold Riedel und Ralf Theurer (2. und 1. von re.), Bürgermeister Helmut Haider und dem Leiter des Wasserwirtschaftsamts Johannes Schmuker (2. und 3. von li.)

Auf verkehrsarmen Straßen ging es von Vilsbiburg bis nach Schalkham. Haltestationen waren Vilsbrücken, eine Mühle, eine Kiesgrube, ein Seitental, artenreiche Wiesen, Brücken und Vilsschleifen – aber, auf dem Rückweg, auch der Biergarten von Leberskirchen.

