Bausteine des naturnahen Umgangs mit Niederschlagswasser
Um das natürliche Gleichgewicht des Wasserkreislaufs möglichst wenig zu beeinträchtigen, ist ein "naturnaher" Umgang mit Regenwasser anzustreben. Die Ziele dabei sind Förderung der Verdunstung, Erhöhung der Versickerung und Verringerung des Oberflächenabflusses. Die gesicherte Entwässerung der Siedlungsflächen ist dabei selbstverständlich zu gewährleisten. Nachteilige Auswirkungen auf Grundwasser und oberirdische Gewässer sind zu verhindern.
Die wesentlichen Elemente der naturnahen RegenwasserbewirtschaftungZum naturnahen Umgang mit Regenwasser haben sich folgende Bausteine bewährt:
- (dezentrale) Rückhaltung,
- Versickerung,
- oberirdische Sammlung und Ableitung
- Behandlung
- Regenwassernutzung
(Dezentrale) Rückhaltung
Die Rückhaltung von Regenwasser erfolgt am besten unmittelbar dort, wo es anfällt. Dazu eignen sich Gründächer, Regentonnen oder ein entsprechend angelegter Gartenteich. Auf öffentlichen Grünflächen lässt sich Regenwasser ebenfalls sammeln und zurückhalten.
Beispielhafter Aufbau eines Gründaches - mit einem Gründach lassen sich bis zu 70 % des anfallenden Niederschlags zurückhalten
Rückhalte- und SickerteichVor der Einleitung in ein Gewässer oder einer Versickerung in den Untergrund kann eine weitere Rückhaltung oder verzögerte Einleitung sinnvoll sein, wenn die begrenzte Leistungsfähigkeit des Gewässers oder eine geringe Durchlässigkeit des Untergrundes dies erforderlich machen.
Der Zufluss ins Gewässer kann mit Hilfe eines Speicherbeckens mit Drosselabfluss begrenzt werdenVersickerung
Grundsätzlich ist eine breitflächige Versickerung zu bevorzugen. Wenn Regenwasser durch eine mindestens 20 bis 30 cm starke bewachsene Oberbodenschicht versickert, wird es in der Regel ausreichend gereinigt, um das Grundwasser vor schädlichen Verunreinigungen zu schützen. Außerdem fördert eine breitflächige Versickerung die Verdunstung. Nur in begründeten Ausnahmefällen sollten unterirdische Versickerungsanlagen eingesetzt werden. Zum Schutz des Grundwassers erfordern unterirdische Versickerungsanlagen in jedem Falle eine angemessene Vorreinigung des Regenwassers.
Zur Förderung der Versickerung sollten versiegelte Flächen auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Soweit eine Befestigung notwendig ist, kann man z.B. mit Rasengittersteinen in Einfahrten oder mit Holzrosten auf Terrassen eine durchlässige Oberfläche schaffen. Bei Flächen, die bereits versiegelt sind, sollte eine "Entsiegelung" oder eine durchlässigere Gestaltung geprüft werden.
Entsiegelung mit durchlässigen Flächenbelägen (Pflastersteine)
Entsiegelung mit durchlässigen Flächenbelägen (Rasenwaben)
Entsiegelung mit durchlässigen Flächenbelägen (Holzroste)Flächen, die unvermeidbar versiegelt sein müssen, können durch Grünflächen begrenzt werden, so dass ablaufendes Regenwasser dort versickern und verdunsten kann.
Um eine Gefährdung des Grundwassers zu vermeiden, ist darauf zu achten, nur weitgehend unverschmutztes Oberflächenwasser zu versickern.
Oberirdische Sammlung und Ableitung
Eine oberirdische Sammlung und Ableitung in offenen Mulden, bewachsenen Gräben oder Gerinnen fördert die Verdunstung und erleichtert das Anlegen von Versickerungsanlagen.
Oberflächige Sammlung und Ableitung begünstigt eine naturnahe RegenwasserbewirtschaftungBehandlung
Je nach Verunreinigung des Niederschlagswassers kann eine Versickerung oder Einleitung erst nach einer entsprechenden Vorreinigung sinnvoll sein oder sollte ganz vermieden werden. Regenwasser und Schmutzwasser sollten grundsätzlich nicht vermischt werden.
Die Verschmutzung des Regenwassers hängt im Wesentlichen von den Flächen, von denen das Regenwasser abläuft, und von der Belastung der Umgebungsluft ab.
Abhängig von Grad und der Art der Verschmutzung kommen unterschiedliche Behandlungsverfahren zum Einsatz. Die häufigsten Verunreinigungen können mit Hilfe von Absetzeinrichtungen oder Anlagen zur Filterung (z.B. Versickerung durch Bodenschichten) oder zur biologischer Behandlung (z.B. Teiche) vermindert werden.
Rückhaltung und Reinigung des Niederschlagswassers in einer BodenfilteranlagBei Verunreinigungen durch Treibstoffe oder Mineralölprodukte, die von Straßen und Parkplätzen abgeschwemmt werden können, werden Leichtstoffabscheider eingesetzt.
Regenwassernutzung
Neben den genannten Möglichkeiten der Regenwasserbewirtschaftung eignet sich Regenwasser auch für vielfältige Nutzungen in Haushalt, Garten, Industrie und Gewerbe.
Zur Deckung des täglichen Wasserbedarfs im Haushalt wird beispielsweise nur rund die Hälfte des Wassers unbedingt in Trinkwasserqualität benötigt. Zum Garten gießen, zum Putzen und für die Toilettenspülung kann ohne weiteres sauberes Regenwasser verwendet werden.
Aufbau einer Anlage zur Nutzung von Regenwasser im HaushaltWeiterführende Informationen
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